Warum heißt es „Satanismus“?

Diese Frage höre bzw. lese ich wirklich sehr häufig. Nicht selten behauptet sogar jemand, es sei doch logisch, dass Satanisten den Satan anbeten „es heißt SATANismus“. Kleingeistige Gottgläubige tun sich schwer mit dem Verständnis von Symbolen außerhalb ihrer eigenen Religion, wie ich oft feststelle.

 

Der Widersacher

Ich möchte mit einem Zitat aus der satanischen Bibel beginnen. LaVey geht auf diesen Punkt nämlich ein. Und da er der Begründer des Satanismus ist muss seine Sichtweise betrachtet werden.

Die Bedeutung des Wortes Satan ist „Gegner“ oder „Widersacher“ oder „Ankläger“. […] Satan bedeutet Widerstand gegen alle Religionen, die den Menschen frustrieren und wegen seiner natürlichen Instinkte verurteilen.

Die Legende besagt, dass LaVey durch seine Arbeit erlebt habe wie Christen nach einer Doppelmoral lebten. Christliche Normen waren besonders in den 60er Jahren noch weit verbreitet und fest in der Moral der Gesellschaft verankert. Das bedeutete natürlich, dass von jedem, Christ oder nicht, erwartet wurde, dass er nach diesen moralischen Vorstellungen lebt, selbst wenn diese Einschränkungen nicht nötig sind.

Nun möchte aber niemand völlig auf Vergnügen verzichten. Auch Christen nicht. Also sündigt man einfach drauf los und beichtet es später dem Pfarrer, damit man den reservierten Platz im Himmel behält.

Was ergibt das für einen Sinn? 

Mein lieber christlicher Freund, erkläre mir mal wieso du denkst, dass sündigen schlecht sei und andere dafür verurteilst, während du gleichzeitig daran glaubst, dass du die Sünden ruhig begehen kann, wenn du das auch noch einer Person erzählst, dem dein Privatleben absolut nichts angeht?

Und selbst wenn der Christ nicht selbst das tut was er verurteilt hat er nicht das Recht sich in das Leben anderer einzumischen.

Und hier kommt die Bedeutung des Widersachers ins Spiel. 

Die christlich geprägte Gesellschaft verlangt von uns allen sich ihrer unnützen Moral zu unterwerfen. Doch wie wir leben geht nur uns selbst etwas an. Es wird niemand verletzt wenn man eine sexuelle Beziehung mit dem gleichen Geschlecht eingeht oder nicht monogam lebt. Um nur zwei Beispiele zu nennen, die stark von christlicher Seite angeprangert werden. 

Doch wieso sollte man seine Natur verleugnen? Das führt nur zu Frust und zu psychischen Problemen.

Die Kontrolle durch die Religion ist höchst fragwürdig. Wenn wir unsere psychische Gesundheit pflegen und echte Grenzen erkennen wollen sollten wir selbst die Kontrolle übernehmen.

 

Satan als Symbol

Um weiter zu zitieren

 [Satan] wurde immer nur deshalb die Rolle des Bösen zugeteilt, weil er die fleischlichen, weltlichen und profanen Aspekte des Lebens verkörpert.

Hier geht er auf die biblische Figur Satan ein. Stimmt ihr dem zu, was LaVey sagt? Sind das zutreffende Beschreibungen für Satan? Möglicherweise fällt euch dabei auf, dass diese Beschreibungen auch auf einen Menschen passen. Ist Satan also ein Mensch? Im Satanismus sieht man das so. Man ist selbst Satan, der Widersacher. 

Aber auch die Gleichsetzung von Satan und Luzifer ist im Satanismus passend. Lucifer bedeutet „Lichtbringer“ und wird gerne mit „Weisheit/Wissen bringen“ assoziiert. Satanisten bilden sich gerne weiter und legen Wert auf persönliche Weiterentwicklung. Zudem besagt der Mythos, dass Lucifer sich nicht weiterhin Gott unterordnen wollte und sich wehrte. So wie wir uns nicht dem unterordnen was ein angeblicher Vertreter Gottes – eines unbewiesenen Wesens – von uns erwartet bzw. fordert.

 

Satanismus als Religion
Es bringt nichts sich darüber zu streiten, ob Satanismus nun eine Religion ist oder nur als Philosophie bezeichnet werden sollte. Ich habe selbst festgestellt, dass bereits das Oxford Dictionary Religion anders definiert als der Duden.
Doch zwei Dinge können wir festhalten: Der Satanismus ist atheistisch und LaVey sprach ständig vom Satanismus als Religion.
 
Tatsächlich kann man nach satanischen Werten leben ohne ein Satanist zu sein. Das Etikett ist ja freiwillig. Also wieso gibt man sich den Überwurf „Religion“ und „Satanismus“ wenn das denn gar nicht notwendig ist?
 
LaVey sagt dazu Folgendes:
 

Der moderne Mensch hat einen langen Weg hinter sich; er wurde von den unsinnigen Dogmen vergangener Religionen ernüchtert. Wir leben in einem Zeitalter der Aufklärung. […] Die Psychiatrie hat, trotz allem Positiven, das sie erreicht hat, den Menschen der Wunder und der Phantasie beraubt, die früher von der Religion bereitgehalten wurden. Der Satanismus hat die heutigen Bedürfnisse der Menschen erkannt und füllt die große graue Leere zwischen Religion und Psychiatrie. […] Es ist höchste Zeit, dass die Menschen aufhören, sich selbst zu bekämpfen und stattdessen ihre Zeit dem Bau von Tempeln der Sinnesfreude widmen. […] Zweitausend Jahre lang tat der Mensch Buße für etwas, für das er sich gar nicht hätte schuldig fühlen müssen.

Der Satanismus ist ein Leitfaden für das Leben, und für die emotionale Kontrolle empfiehlt LaVey Rituale. Auch wenn sie ausdrücklich nur als Psychodrama gelten, also nur einen psychologischen Effekt auf die Anwesenden haben, bieten sie durchaus ein magisches Gefühl. Doch auch wenn derlei Psychodramen definitiv Teil des Satanismus sind – verbreitet sind sie nicht (mehr). Es wird als Mittel zur Selbstkontrolle noch anerkannt, dennoch bevorzugen Satanisten eher andere Strategien der emotionalen Kontrolle.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich der Typus „Satanist“ einfach als rationaler herausgestellt als ursprünglich angedacht. Das spiegelt sich auch in der Gründerorganisation des Satanismus, der Church of Satan, wider. Peter H. Gilmore, der derzeitige Hohepriester der CoS, vertritt einen strengen Atheismus.

Der Satanist erfreut sich am Leben und weiß um sein Glück, entgegen aller Wahrscheinlichkeiten, existieren zu dürfen. Doch solche wissenschaftlich erklärbaren Wunder reichen ihm bereits aus.

Das Etikett „Satanist“ wird getragen, weil es ja ganz praktisch ist seinen Charaktertyp in einem Wort beschreiben zu können.  Zudem findet man dank dieser Bezeichnung leichter Gleichgesinnte.

2000 Jahre und mehr an Einfluss durch Religionen gehen am Menschen nicht spurlos vorbei. Und auch wenn wir heute nicht mehr so sehr mit christlichen Normen zu kämpfen haben wie früher wirken die damaligen Moralvorstellungen und Erwartungen immernoch nach. Diese Strapazen sollten wir hinter uns lassen und endlich das Leben genießen. Und das tun wir auch!