Die wundersame Arbeitswelt

Im Leben findet nicht jeder sofort seinen Platz. Auch bei mir ergab es sich, dass ich bereits mehrere Arbeitsstellen hatte. Dabei fiel mir etwas Eigenartiges auf.

 
Die gute Arbeitsstelle

Bei guten Arbeitsstellen war und ist selbstredend alles in Ordnung. Ich kann zeitig nach Hause gehen und wenn es mal nicht möglich ist werden die Überstunden bezahlt.

Der Stundenlohn variiert, ist aber immer angemessen.

Die Kollegen sind entspannt.

Und wenn jemand krank wird ist ein Arztbesuch kein Problem. Auch bei Krankmeldung wird nicht gemeckert. Der Arbeitgeber und die Kollegen akzeptieren, dass Menschen leider auch mal krank wird. Auch regelmäßige Termine zur Vorsorge etc. sind ok.

 
Die schlechte Arbeitsstelle

Es ist allerdings erstaunlich, dass Kollegen ihre Arbeitsbedingungen besonders vehement verteidigen, wenn sie besonders schlecht sind.

Ich erinnere mich an die Reaktionen bei meiner Kündigung. „Das Leben ist kein Wunschkonzert“, hieß es dann beispielsweise, um zu suggerieren, dass sich die Suche nach einer Alternative nicht lohnt. Es wurde gerne so getan als gäbe es keine besseren Arbeitsbedingungen. 

Ich erzähle gerne von meinen Erfahrungen in schlechten Betrieben.

Betrieb 1:

– Haupteinsatz in einem Bereich, den ich explizit NICHT wollte

– immer Zeitdruck

– 42 Wochenstunden

–  1,5 Stunden Pause, die schlecht genutzt werden konnten. Kein WLAN, der Pausenraum war eher eine Abstellkammer

– die Reinigung der Arbeitskleidung mussten die Arbeitnehmer teilweise übernehmen

 

Betrieb 2:

– 2-3 unbezahlte Überstunden pro Woche

– Mindestlohn

-nur gesetzlicher Mindesturlaub

– maximale Leistung gefordert

– Personalmangel

– Druck/Zeitmangel

In Betrieb 2 musste ich oft auf die Toilette, und obwohl ich immer schnell war forderte mich die Filialleiterin auf zum Arzt zu gehen. Denn es geht ja Zeit zum Arbeiten verloren. Die gleiche Frau hielt es mir vor, dass ich Routine- und Vorsorgeuntersuchungen machen möchte. Ein Arztbesuch behindert natürlich auch die Arbeit. Sie hätte ja auch Rückenschmerzen und hielte das aus.

Da ist deutlich Luft nach oben, oder?

Wenn die Kollegin auf ihre eigene Gesundheit pfeift ist das ja ihre Sache. Aber von anderen zu verlangen, dass sie ihre Gesundheit vernachlässigen ist frech.

Diese Kollegen/Arbeitgeber lebten in ihrer eigenen Welt und können sich nicht vorstellen, dass es eine Vielzahl an deutlich besseren Unternehmen gibt. Hinzu kommt, dass in der Branche ohnehin ein Personalmangel herrscht.

Ruhige Minuten sind ebenfalls unerwünscht. In schlechten Betrieben soll man sich Arbeit suchen, wenn nichts mehr zu tun ist.

Das ist allerdings Unsinn. Häufig nimmt man nur einen Staubwedel und geht über Regale die gar nicht geputzt werden müssen.

 
Der erbärmliche Kollege

Es gab aber auch Kollegen die sich das nicht einbildeten und möglichst schnell etwas anderes wollten.

Aber da stieß ich auf ein anderes Phänomen: sie suchten gar nicht nach neuer Arbeit. An ein Gespräch erinnere ich mich besonders gut.

Ich fragte: „was würdest du gerne tun?“

„Einen Bürojob“

„Hast du schon Bewerbungen geschrieben?“

„Nein“

„Wieso nicht?“

„Ich habe keine Zeit“

„Wie möchtest du einen anderen Job finden wenn du keine Bewerbungen schreibst?“

„Ja aber…“

Ja was denn aber?! 

Du muss schon etwas investieren um dein Leben zu verbessern!

Kann ja sein, dass das Privatleben ausgefüllt ist. Dennoch werden sich hin und wieder ein paar Minuten finden um an Bewerbungen zu arbeiten. Kann ja sein, dass die ersten Bewerbungen nicht zu einem Vorstellungsgespräch führen, dann such eben weiter.

Wie stellt sie sich das denn vor, wie man ohne etwas Mühe eine neue Arbeit findet? Hofft sie, dass jemand in den Laden kommt, diesen Jammerlappen sieht und sagt „genau dich suchen wir!“?

Manche verspüren auch einfach eine Verantwortung ihren Kollegen gegenüber. An ihnen bleibt ja dann die ganze Arbeit hängen.

Aber was hat dich das zu interessieren?

Du trägst nicht die Verantwortung für sie!

Es ist erbärmlich in so einem Zustand zu verharren.

 
Eigenverantwortung ist das A und O

Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig Eigenverantwortung ist und wie unsinnig es ist anderen die Verantwortung zu übertragen oder die Verantwortung für andere zu übernehmen (die Liebsten bilden natürlich eine Ausnahme).

Die Arbeit nimmt einen extrem großen Platz im Leben ein. Falls man nicht bereits einen Job hat, mit dem man zufrieden ist, sollte der Satanist stets Mühen investieren um diesen zu erreichen.

Das Leben ist zu kurz um einen Job auszuhalten, der zermürbt.